Er macht existierende Geigen besser und löst Probleme, die Musiker jahrelang verdrĂ€ngen: Ein GesprĂ€ch mit dem Geigenbauer Martin Erben ĂŒber den Umgang mit Kunden und was ihm sein Vater Peter vermittelt hat â Peter Erben haben wir fĂŒr eine der ersten Folgen der âMeisterstundeâ besucht und bei eben jener Gelegenheit auch mit Martin Erben gesprochen. So kommt es, dass sich die Fragen auf den Wissenstransfer vom Vater zum Sohn beziehen. Fotos: Gerald von Foris
Herr Erben, was haben Sie von Ihrem Vater Peter gelernt? Die Ruhe und die Gelassenheit, mit der er an eine Sache geht. Wenn er eine Geige baut, lĂ€sst er sich in die Arbeit fallen und taucht auf, wenn sie fertig ist. Dieses Fallenlassen ist eine Gabe.Â
Ist er dann ansprechbar? Ja, definitiv. Er reagiert aber gereizt, wenn er zu oft unterbrochen wird. Mein Vater hat seinen Arbeitsplatz jetzt bewusst weiter hinten in der Werkstatt gewĂ€hlt, um nicht immer ans Telefon zu mĂŒssen, um die innere Ruhe zu finden, die er braucht. Ich kĂŒmmere mich derweil um Kunden und das Telefon.Â
Wie lange sind Sie schon Geigenbauer? 1997 habe ich die Ausbildung begonnen.Â
Was haben Sie in den vergangenen 20 Jahren gelernt? Ich versuche, existierende Geigen klanglich zu verbessern. Gelernt habe ich, dass ich immer auf den Kunden eingehen muss. Jeder hat eine andere Technik, einen anderen Charakter, einen anderen Ort, an dem er spielt. Der eine spielt privat als Hobbymusiker, der andere ist professioneller Solist, wieder andere spielen im Orchester. Jeder hat andere AnsprĂŒche. Ich muss ein GespĂŒr fĂŒr den Musiker entwickeln.Â
Geht die Geige aufrecht, stolz? Unrund? So kann ich ĂŒber den Klang reden, als sei es ein Mensch.
Wie sprechen Sie ĂŒber Klang? Ich kann den Klang eines Instruments leicht auf den Gang eines Menschen ĂŒbertragen. Klingt das jetzt geduckt? Hat er zu viel Last auf der Schulter? Geht die Geige aufrecht, stolz? Unrund? So kann ich ĂŒber den Klang reden, als sei es ein Mensch. Jeder Mensch weiĂ, was es bedeutet, zu humpeln oder aufrecht zu gehen.Â
Was haben Sie an der Geige geĂ€ndert, die Sie in der Hand halten? Bei der hier habe ich einen sogenannten AnschĂ€fter gemacht â das bedeutet, dass ich den Hals und das Griffbrett erneuert habe sowie Stimme und Steg, weil sie klanglich nicht ideal waren.Â
Was war? Der Musiker reichte mit dem Bogen an den Rand der Geige. Dadurch hatte er Probleme, beim Saitenwechsel die tiefen Seiten zu streichen â er hatte immer Sorge, am C-BĂŒgel zu streifen. Als Geigenbauer muss ich sehen, dass er an dieser Stelle mehr Platz benötigt. Viele französische Geigenbauer setzen beim Geigenbau den Hals zu tief. Das fĂŒhrt zu einem Problem beim Spielen: Der Musiker verkrampft. Das hört man. Manche strĂ€uben sich erst gegen eine VerĂ€nderung ihrer Geige, kommen dann aber doch nach einem Jahr und sagen: Jetzt bin ich soweit! Und dann kommt oft die Reaktion: HĂ€tte ich das nur schon vor fĂŒnf Jahren gemacht. Eine Geige muss zur VerlĂ€ngerung des Armes werden, sie muss ein Arbeitsinstrument sein, mit dem der Musiker leicht schöne Musik erzeugen kann.Â
Der Geigenbaumeister Martin Erben, fotografiert von Gerald von Foris
Wo haben Sie das Handwerk gelernt? Erst an der Geigenbauschule in Mittenwald, dann war ich hier bei meinem Vater und zog dann weiter nach Cremona, spĂ€ter nach Wien.Â
Welcher Satz Ihres Vaters ist Ihnen immer noch im Ohr? Mein Vater sagte immer: âNicht spielen, arbeiten.â
Das heiĂt? Sehen Sie diese lange Feile? Wenn ich kapiere, dass ich nicht nur das vordere StĂŒck gekauft habe, sondern die ganze Feile, arbeite ich anders. Ich kann die ganzen 30 Zentimeter ĂŒber dem Holz einsetzen; wenn ich damit ein StĂŒck Holz feile, kann ich mit minimalem Aufwand eine gerade FlĂ€che feilen. âLass deine HĂ€nde die Arbeit erledigen. Nutze dein Werkzeug. Schaffâ dir einen Arbeitsfluss.â Das sind die SĂ€tze, die mir in Erinnerung geblieben sind.