Die Künstlerin Silvia Hatzl über gelingende Arbeit: Zufriedenheit entsteht erst, wenn die Vorstellung eines Werkes im Kopf verlischt

Sie rieb sich an Ihrem Vater, sie lernte von ihm: Silvia Hatzl wuchs in der bayerischen Provinz auf, studierte Kostüm und Bühnenbild in Paris und mietete dann, in Brüssel, ein Schaufenster. Es war der Beginn ihrer künstlerischen Arbeit. Ein Gespräch über das Vergehen von Vorstellungen, über Hatzls anstrengenden und doch fördernden Vater Alexander Hatzl alias C.A. Wasserburger und ein kenterndes Kajak in einer schneereichen Neujahrsnacht.

Frau Hatzl, Ihre Eltern trennten sich, als Sie noch ein Kind waren. Mit wem lebten Sie?
Meine Eltern trennten sich zwar, ließen sich aber nie scheiden. Mein Vater zog damals in ein Haus nach Untereinöd am Inn. Ich wollte immer wieder bei ihm leben, hielt es aber meist nur drei Tage aus. 

Weshalb?
Er brauchte viel Platz. Er war immer kreativ, konnte nie ruhig sitzen. Immer zeichnete er, bastelte, stellte etwas im Haus um oder formulierte Wortspiele, die er dann aufschrieb. Er und seine Arbeit brauchten so viel Raum, da blieb kein Ort für mich. 

Sprechen Sie vom physischen Raum, den Ihr Vater einnahm?
Ja, aber es ging um mehr. Anfangs zum Beispiel, als ich noch ein Kind war, konnte ich gut neben ihm sitzen und mit ihm zeichnen. Irgendwann aber änderte sich das. Er begann, meine Zeichnungen abzuwerten und sagte, ohne auf meine Gefühle zu achten: „Ach, mit dir kann ich gar nichts anfangen.“ 

Das ist hart.
Er konnte dich zerdeppern. Maximal drei Tage hielt ich bei ihm aus, dann ging ich zu meiner Mutter und sagte „Nie wieder zu diesem Vater!“ Nach einer Woche dann die Umkehr, „Ich möchte zum Alex.“ Mit zwölf Jahren war ich das Hin und Her leid und wechselte ins Internat auf der Fraueninsel im Chiemsee. Das war dann aber so schlimm für mich, dass ich doch wieder nach Wasserburg und dann, mit 16 Jahren, für das Fachabitur mit Schwerpunkt Kunst nach München zog. 

So müssen Sie sehr früh sehr selbständig geworden sein.
Ja, weil ich dringend die Distanz von Zuhause und vor allem von Alex brauchte. Nach dem Abitur verabschiedete ich mich nach Paris. Mein Vater vermittelte mir glücklicherweise den Kontakt zur Künstlerin Edith de Vries, die mit einem Galeristen zusammenwohnte: Ich lebte bei den beiden und half in der Galerie. Edith wurde so etwas wie meine Adoptiv-Mama. Später bezog ich eine kleine Wohnung und studierte in Paris Kostüm und Bühnenbild. Eine irre schöne Zeit! Dann kam die Liebe und ich zog nach Brüssel. An der Oper bekam ich eine Anstellung als Technische Assistentin. Nach drei Jahren hörte ich auf und mietete mir ein Schaufenster in Brüssel. 

Wozu?
Die Arbeit an der Oper war sehr technisch – einmal sollte ich eine Brücke konstruieren, die einen Chor von 60 Menschen trägt. Ich vermisste die Arbeit mit Materialien, mit Stoffen. Also mietete ich dieses Schaufenster und stellte selbstgemachte Mode aus, unkonventionelle Mode, die niemand kaufte oder trug. 

Wo befand sich das Schaufenster?
Ich habe es immer noch und stelle dort aus! Sie finden es in der Nähe der Oper in Brüssel. Zuschauer, die zur Vorstellung gehen, kommen dort vorbei. Tatsächlich bekam ich durch das Schaufenster Aufträge für Theaterarbeiten. Doch die Nachfrage wurde mit den Jahren weniger. Meine Sachen verkaufen sich nicht gut.

Ist das so?
Die Menschen haben Angst vor Kunst, die nicht gerahmt ist. Ich arbeite mit Tierhaut, mit verbrannter Erde, mit Asche, mit Tierdärmen. „Wie lange hält das?“ ist eine häufige Frage. Tja. Wie lange? 200 Jahre? Ich weiß es nicht. 

Manchmal lege ich die Arbeit dann in den Speicher. Nach fünf Jahren krame ich sie wieder raus, habe kein Bild mehr dazu im Kopf und sage „Es ist gut.“

Behagt Ihnen der Austausch mit Ihrem Publikum?
Inzwischen habe ich ihn gelernt und weiß ihn zu schätzen. In Brüssel stellte ich sechs Wochen in einer ehemaligen Kapelle aus und organisierte alles selbst. Immer von Donnerstag bis Sonntag war ich selbst vor Ort in diesem herrlichen Raum: Ich konnte eines meiner 15 Meter hohen Kleider in die 18 Meter hohe Decke hängen. Die Besucher wandelten zwischen meinen Werkstücken hindurch. 

Wer waren dort die Besucher?
Die Kapelle liegt an einem Marktplatz, so fanden Kunstbegeisterte, aber auch Menschen, die gerade eingekauft hatten in die Ausstellung. Auch die Bewohner eines nahen Altenheims kamen vorbei. Ein Mann fragte höflich, ob er sich setzen dürfe – und blieb drei Stunden. Die Leute spürten etwas, die Stimmung war andächtig. Genau das wünsche ich mir: Dass die Menschen im Angesicht meiner Arbeit ihr Gefühl sprechen lassen. Viele schaffen das nicht, weil sie denken, sie müssten sich erst informieren, um Kunst verstehen zu können. Sie suchen dann online nach Informationen, statt sich einfach ihrem Empfinden zu überlassen. 

Markiert die Brüsseler Vitrine den Beginn Ihrer künstlerischen Arbeit?
Durchaus. Aber ich profitierte auch von meinem Vater. Er mochte vieles, was ich machte und  umgab sich gern mit meinen Sachen. Wenn seine Galeristen nach Untereinöd kamen, sahen sie ab und zu etwas von mir. Das half. 

Sie haben zwei Brüder. Wie standen die zu Ihrem Vater?
Meine Brüder sind Zwillinge. Einer wurde Maurermeister, der andere betrieb viele Jahre ein Gasthaus. Dem einen sagte mein Vater, wie er zu bauen habe, dem anderen sagte er, dass sein Bier zu warm sei. So ging es mit allen Menschen: Mal machte er sie runter, mal lobte er sie in den Himmel. 

Gibt es einen guten Umgang mit einem derart wechselhaften Gemüt?
Es war schwierig. Darum ging ich ja weg von Zuhause. Erst als ich schon viele Jahre in Paris und dann in Brüssel gelebt hatte, fand ich einen anderen Blick auf diese unruhige, immer aktive, polarisierende Person. Mir wurde dabei auch klar, wie richtungsgebend Alex für mich und meine Arbeit gewesen war. Er hatte mir die Augen dafür geöffnet, was schön ist und was nicht. Wann ist ein Bauwerk schön? Wann wird es zur Fratze? Er öffnete mir die Augen für die Kunst, für gute Konstellationen. 

Pflegten Sie viel Austausch?
Unsere Beziehung war immer vorhanden, aber oft spärlich. Wenn der Kontakt spärlich blieb, hatte Alex weniger Gelegenheit, vernichtend zu sein. Wenn ich ihm etwa ein Foto einer meiner neuen Arbeiten schickte und sie gefiel ihm nicht, reagierte er einfach nicht. 

Das heißt, kein Kommentar war Ihnen erträglicher als ein böser Kommentar?
So ist es. Wenn er freundlicher war, kommentierte er eine Arbeit, die ihm nicht gefiel lediglich mit dem Satz „Da kann ich jetzt nichts mit anfangen.“ 

Verstehe.
Es kam aber auch vor, dass er ein Stück nach zwei Jahren neu betrachtete und sagte „Das ist ja gut!“ Auf diese Weise konnte ich ihn lockerer nehmen. Außerdem ging ich in Frankreich und Belgien meinen eigenen Weg und war nicht auf sein Lob angewiesen.

Kann es sein, dass Sie auch in Ihrem Schaffen vor Ihrem Vater geflüchtet sind?
Ich wollte ursprünglich Malerin werden, Objektebauerin – genau wie mein Vater. So wäre ich ihm aber zu nahe gekommen. Ich musste also schon aus Selbstschutz etwas anderes finden. Das Kostüm- und Bühnenbild stellte sich als tolle Wahl heraus. Die Arbeit eröffnete mir eine größere Welt mit Literaten und Regisseuren und Dramaturgen. 

Das Theater ist ein riesiger Inspirationsraum.
Und doch habe ich mich nie getraut, meinem Vater zu sagen: Alex, ich möchte auch Objekte bauen!

Es beschäftigt Sie noch immer.
Ja. Aber es ist gut so. Ich wäre zu nah an ihn herangerückt. Das wäre nicht gut gewesen. 

Gibt es einen Punkt, an dem Sie eine Balance im Verhältnis zu Ihrem Vater spürten, eine Form von Ebenbürtigkeit?
Im Alter von 40 Jahren konnte ich das erste Mal neben ihm zeichnen, ohne dass mir eine seiner Bemerkungen etwas ausgemacht hätte. Damals dachte ich: ,Wow. Dafür musste ich 40 Jahre alt werden.’

Ein Moment der Emanzipation.
Der sich aber wirklich nur auf das Zeichnen bezog! Bei allem anderen fühlte ich mich in seiner Gegenwart frei. Als Alex 50 wurde – ich war 30 Jahre alt – wollte er feiern und bat mich, den Saal zu dekorieren. Ich baute mit Weidenästen die Unterseite eines Flugzeuges nach und hängte sie an die Decke des Saales. Den Korpus hatte ich aus Weidenästen gebogen und mit Tüchern und Papier verbunden, die wiederum mit Asche eingefärbt waren. Die Bänke hatte ich eingepackt. Aus einer Wiese hatte ich ganze Wiesenstücke ausgestochen und in durchsichtigen Plastikbeuteln auf die Tische gestellt.

Wow.
… ich schneiderte Alex einen Anzug – er war der Kapitän dieses Flugzeugs! Es war so fantastisch und er hatte große Freude daran. Bei dieser Arbeit hatte ich meinen Willen, meine Freiheit, es war wunderbar. (Pause) Nur neben ihm Zeichnen, das ging nicht. 

Die Künstlerin Silvia Hatzl, fotografiert von Gerald von Foris

Sind Sie kritisch mit Ihrer Arbeit?
Meist komme ich nicht an das Bild von dem heran, was ich machen möchte. Ich schaffe es einfach nicht, meine Vorstellung in die Realität zu übersetzen. Dann kommt ein Besucher, der gar nicht weiß, was ich in meinem Kopf habe und sagt „Das ist gut!“ Dann sage ich „Nein, das ist nicht so wie ich es mir denke!“ 

Hm.
Manchmal lege ich die Arbeit dann in den Speicher. Nach fünf Jahren krame ich sie wieder raus, habe kein Bild mehr dazu im Kopf und sage „Es ist gut.“ 

Die Zufriedenheit mit Ihrer Arbeit entsteht also erst, wenn Sie Ihre Erwartungen losgelassen haben?
Ja, weil ich die Arbeit dann nicht mehr mit dem Bild vergleichen kann, das ich ursprünglich machen wollte. 

Erst die Zeit stellt also die Objektivität her.
Weil dieses Bild im Gehirn verlischt. 

Warum arbeiten Sie mit Tierhaut, zum Beispiel von Hasen? Warum Därme, Asche?
Weil es natürliche Materialien sind, Abfallprodukte. Demnächst möchte ich mit Harz arbeiten.

Inwiefern passen diese Materialien zu Ihnen?
Meine Hände sagen, es ist gut. Da sind Körperzellen drin. Reflektieren diese Zellen etwas? Geben sie etwas vom Lebewesen weiter? Mein Thema ist die Hülle, das Außen und Innen. Wo ist die Grenze? Was macht eine Grenze? Was ist Innen, was ist Außen? Mit meinem Vater habe ich darüber gesprochen. Wir hatten essentielle Gespräche. Er beschäftigte sich viel mit Gehirnforschung, ich gab ihm gerne Contra. Das habe ich lange beibehalten, aber mit den Jahren immer weniger aggressiv. Ich mochte diese engagierten Diskussionen mit ihm. Am schlimmsten war es, wenn er sagte „Du, jetzt wird es mir zu kompliziert, das steht in diesem und jenem Buch, das kannst du nachlesen.“ Dabei wollte ich ihn nicht bloßlegen! Ich wollte lernen und uns beide weiterbringen. 

Können Sie versuchen, Ihre Kunst zu beschreiben?
Nein. Ich kann nur sagen, wie man sie betrachten soll. 

Wie?
Sie sollen Ihren Koffer mit all Ihrem Wissen hinter sich lassen und fragen: Fühle ich was? Was fühle ich? Und dann sollen Sie sich Zeit mit der Antwort lassen. 

Ich zweifle viel. Selbstsicherheit bringt einen nicht weiter, Zweifeln hingegen kann einen Weiterbringen. Zweifeln bedeutet Weitergehen.

Gibt es ein Werk, an dem Sie Scheitern mussten, um sich weiterzuentwickeln?
Ich habe einmal mit Büchern gearbeitet, mit Worten und Zahlen. Das war für sich schon viel zu aussagefähig: Jeder kann mit einem Wort was anfangen. Deshalb arbeite ich so gerne mit Blut, mit Dreck, mit Erde.

Wann wächst Ihnen eine Arbeit ans Herz?
Wenn sie häufig geflickt wurde, wenn sie viel durchlebt hat. 

Noch einmal zu Ihrem Vater: Gibt es ein Wort, das ihn beschreibt?
Selbstsicherheit. Und Größenwahn! Größenwahn ist so schrecklich. Ich mag auch Selbstsicherheit nicht. Wie kann man sich seiner gewiss sein? Das ist mir zu gewagt. Ich zweifle viel. Selbstsicherheit bringt einen nicht weiter, Zweifeln hingegen kann einen Weiterbringen. Zweifeln bedeutet Weitergehen. 

Wo ähneln Sie Ihrem Vater?
In der Art, wie ich mich bewege. In der Verrücktheit. Er konnte auf einem Brückengeländer einen Kopfstand machen!

Auf einem Brückengeländer?
Diese Freude an der Verrücktheit hat er uns mitgegeben: Mein Bruder ließ sich im Kajak von einer Brücke in den Inn fallen. 

Das klingt riskant.
Wir hatten Freude am Risiko. Mein Vater zog vor einigen Jahren, als er älter wurde, von Untereinöd flußaufwärts in ein Haus am Inn, das besser zugänglich ist. Einmal reiste ich zum Jahreswechsel nach Bayern und wohnte in seinem alten Haus in Untereinöd. An Silvester stieg ich ins Kajak und paddelte entgegen dem Strom zwei Stunden lang hoch zu seinem Haus. Ich kam an und wir feierten Silvester. Mein Vater hat immer viel getrunken, gute Sachen getrunken. Er hat auch viel gegessen, gute Sachen gegessen. Das habe ich von ihm: Ich trinke und lebe und feiere wahnsinnig gern. Um 2 Uhr nachts habe ich mich sehr betrunken von ihm verabschiedet. Ich stapfte durch den Schnee zum Kajak. Es war eine helle Mondnacht, der Inn war ganz schwarz. Das Kajak war allerdings das meines Sohnes und etwas zu klein für mich. Meine Füße mit den Bergschuhen musste ich reinquetschen, die Knie anziehen. Mein Becken passte nicht ganz durch die Sitzöffnung. Ich stieß mich ab und paddelte los. Das Licht war schön. Ich drehte mich zum Himmel und dachte: So ein schönes Licht! In diesem Moment …

Oh nein!
… sehe ich den Mond, verliere das Gleichgewicht, sage nur noch „scheisse“ und kippe um. Ich liege im Wasser, unterm Kajak, das Ruder ist weg. Ich kann nicht aussteigen, weil die Füße eingeklemmt sind. Ich winde mich nach oben, hole Luft, tauche wieder unter und nestle an den Schuhen. Fünf Mal versuche ich es: Luft holen, wieder runter. Unter Wasser wird mir bewusst, wie unheimlich schön es ist. Der Inn ist schwarz und doch hell. Es ist so schön und ich bin schon so fix und fertig, dass ich denke ,Jetzt ist es eigentlich einfach. Ich kann sterben. Es ist nicht schwer.’ Ich denke an niemanden, bin nur im Moment. Ich empfinde keine Kälte, nichts. Das Wasser, der Mond, das Licht, der Inn – es ist fantastisch. Und in dem Augenblick lösen sich meine Schuhe aus dem Kajak und ich komme aus dem Boot raus. 

Gott sei Dank.
Als mein Vater die Geschichte zwei Tage später erfuhr, sagte er „Also da bin ich ja fast neidisch, auf die Geschichte.“ 

Wie kam Ihr Vater zu dem Pseudonym CA Wasserburger?
Als ich noch ein Kind war, machten wir Urlaub in Italien. Eines Tages entdecken wir am Straßenrand ein Plakat für den „Circo Alex“, den Zirkus Alex. Wir nannten Alex den ganzen Urlaub lang „Circo Alex“, kurz CA. Und Wasserburger wählte er, weil er aus Wasserburg stammt. 

Ihr Vater schrieb fast manisch Tagebuch. Vor seinem Tod legte er Eisenbänder um die Bücher und verschweißte sie. Interessiert Sie, was darin steht?
Er hat mir alle gezeigt, ich kenne jedes. 

Okay.
Jeden Abend, wenn ich zu Besuch war, löste er sich irgendwann, ging hoch in sein Zimmer und schrieb und zeichnete. In der Zeit vor seinem Tod hatte er immer wieder Herzschmerzen. Deshalb legte er sich mit dem Bauch auf das Bett, weil es ihm so besser ging. Er rückte an den rechten Rand der Matratze und schrieb und zeichnete mit der rechten Hand auf dem Boden. In seinen Tagebüchern arbeitete er zum Beispiel seine Lektüre der Bücher über Hirnforschung auf. Er malte Gehirne. Die Blätter waren von oben bis unten beschrieben, es gab nichts weißes mehr. Wenn er malte, dann oft auch erotisch – Schwänze, Mösen, die Sexualität war für ihn der Kern des Lebens. Er hatte viele Freundinnen, wollte immer neue Frauen genießen. Dann, als es ihm schlechter ging, folgten in den Büchern wieder Seiten mit der Feststellung „Ich fühle mich hundeelend.“ Dazu zeichnete er einen Hund mit einer riesigen Erektion. Alex war lange depressiv und sah die Dinge nur noch negativ. In diesen Büchern ließ er sich aus. Ich durfte vieles lesen, es war nicht einfach. Er redete und schrieb schlecht über Menschen. Und er sagte auch, dass er wisse, dass er anderen weh tue, dass er ein Schweinehund sei: „Es ist mein Leben, ich kann nicht anders.“

Ihr Vater hat seine Eltern früh verloren.
Mit zwölf Jahren, ja. Sie sind kurz nacheinander an Krebs gestorben. In der Schule galt Alex als renitent. Das Brauereistudium warf er hin, dann übernahm er mit seinem Bruder die kleine Brauerei, die meine Großeltern in Wasserburg hinterlassen hatten. Bis er dann Maler wurde.

Ihre Werke sind gerade neben denen Ihres Vaters in München zu sehen. Was bedeutet Ihnen diese Gemeinschaftsschau?
Ich habe mich wahnsinnig auf diese Ausstellung gefreut. Auf das gemeinsame Ausstellen. Nun ist er vergangenes Jahr gestorben. Ich weiß noch nicht, wie ich das einordnen soll. Auch wenn ich mich viel über Alex geärgert habe – er war ein phantastischer Mann. 

Fotos: Gerald von Foris

Silvia Hatzls Arbeiten sind noch bis 24. Juli 2019 in München in der Galerie der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst zu sehen.